Dackelinfiziert

Dackelfieber und die Folgen der schönsten Krankheit der Welt

 

Wir spielten mit dem Gedanken uns einen zweiten Hund anzuschaffen. Es war keine bestimmte Rasse im Gespräch. Wir waren uns nur über die Größe einig. Ein kleiner Hund sollte es sein.

Mein Mann schlug etwas verhalten einen Dackel vor. Er wußte warum er etwas zögerlich war. Schließlich wußte er, dass ich bis dato nichts aber garnicht mit dieser Rasse anfangen konnte. Ja, ich verfluchte diese Viecher! Für mich waren sie einfach nur sturr und nicht erziehbar.

Vielleicht stimmt das ja auch garnicht, dachte ich mir...vielleicht sind diese kleinen, frechen Hunde einfach nur unglaublich schlau. Ja und eins stand für mich fest, ich wollte einen schlauen Hund. Einen der mich herausfordert und den ich "knacken" muss.

Ich wälzte Bücher und durchsuchte das Internet, sprach Teckelbesitzer auf der Straße an.

Und mein Bild vom "sturren Wadenbeisser Dackel" veränderte sich. Plötzlich fand ich diese Rasse total toll. Ich war erstaunt, wie unterschiedlich und vielfälltig sie doch sind. Ich zögerte immer noch. Schließlich konnte ich gegenüber meinem Mann doch nicht zugeben, dass er recht haben könnte. In diesem Moment wurde mir klar, wie viel Ähnlichkeit ich eigentlich mit so einem Dackel hatte. Zumindestens was die Sturrheit betrifft.

Irgendwann sind wir auf der Webseite vom DTK gestoßen. Und siehe da, ein Züchter ganz in unserer Nähe hatte gerade einen Wurf.

Gedreht wie ein Pillewurm, habe ich dann dort angerufen. Soll ich oder soll ich nicht...

"Ich möchte eigentlich nur mal gucken wenn ich darf." Und da nahm das Schicksal seinen lauf.

Die Frau am Telefon war sehr nett und wir waren eine halbe Stunde später da. 

Die Mamahündin begrüßte uns ganz liebevoll. Sie kuschelte sofort mit uns und sie war alles andere als "typisch" Dackel (zumindestens das was von meinem Bild "Dackel" übrig geblieben war). Die Wurfkiste stand mitten im Wohnzimmer. Alles war super sauber und dann erblickte ich das erste Mal Teckelwelpen. Einen Haufen schwarzer Dackel. Ich war hin und weg. Wie niedlich die alle waren! So wie Welpen eben sind... Aber ich bin nicht die Person die dann trotz soviel "süß" den Kopf ausschaltet. Normalerweise.... 

Irgendwann kam die Frage ob es eine Hündin oder ein Rüde werden soll. Mein Mann antwortete für mich:" Es soll ein Hund für meine Frau werden. Sie soll sich ihn ganz alleine aussuchen. Ich kann und werde nichts dazu sagen. Doch so viel ich weiß, möchte sie eine Hündin. Aber eigentlich wollte sie nur gucken." Stille.

Ich war erstarrt vor Faszination. Ich habe nur noch die Welpen angeschaut. Doch irgendwann bin ich aus dem Stauen erwacht zeigte auf einen Dackel der mich nicht mehr los gelassen hat.

Bärbel die Züchterin, sagte dann,dass es aber ein Rüde sei.

Egal dann ist SIE halt ein ER. 

Ab da an war ich stolze Teckelbesitzerin. Noch nie in meinem Leben war ich mir so sicher etwas richtig gemacht zu haben wie in diesem Moment.

Ich durfte mehrmals zu Besuch kommen. Außerdem konnte der Kleine sich auch schon mal an mich gewöhnen in der Zeit. Auf jeden Besuch habe ich mich unsäglich gefreut. Wie ein kleines Kind.

Ich wußte garnicht mehr, wie sich so eine Vorfreude anfühlte. Meine Kinder sind auch mal mit gekommen. Schließlich war mir Ihre Meinung auch wichtig. Sie waren mindestens genau so fasziniert wie mein Mann und ich. Natürlich haben wir auch mal unsere Bobtailhündin mitgebracht. Sie sollte ihren neuen Freund auch mal vorher begutachten. Alles gut.

Dann war der große Tag da. Zuhause war alles vorbereitet.

Bärbel hat geweint. Sie hat in den ersten Wochen so viel Arbeit und Herzblut investiert. Sie und Ihr Mann Detlef, haben jeden Dackel etwas einzigartiges mit auf den Weg gegeben und so jeden einzelnen Welpen einen schönen Start ins Leben geschenkt. Das kann man mit Geld nicht bezahlen. Danke Euch Zwei.

Bärbel drückte den kleinen Mann noch einmal, der am ganzen Körper zitterte. So als wenn er wußte, nun ist die Zeit gekommen sich von Mama und den Geschwistern zu verabschieden. Ich habe ihr versprochen, das Tamme (so habe wir ihn genannt) es sehr gut bei uns haben wird. Es war sehr emotional.

Da saß "mein Dackel" nun eingewickelt in seiner gelben Decke auf meinen Schoß im Auto.

Keiner sagte was. Es war nur Liebe im Raum. Eine tiefe Freundschaft war entstanden.

 

 

Die Welpenzeit war eine ganz besondere Zeit. Es war schön zu sehen, wie so ein kleiner Mann seine Welt erschnupperte. Klar, da ging schon mal der ein oder andere Schuh dabei drauf und als man abends auf dem Sofa kuschelte und die runden Ecken vom Teppich entdeckte... Ich gebe zu, ich wußte manchmal nicht ob es Tränen der Freude oder der Wut waren. Sie lagen immer ganz nah bei einander. 

Gegen jeder Prophezeihung einen Dackel nicht erziehen zu können, habe ich allen Schwarzsehern das Gegenteil beweisen können. Wir übten fleißig das komplette Grundprogramm. Er ist ein schlauer Hund! 

Am Anfang fand unsere Bobtailhündin Emily, Tamme alles andere als toll. Er war es, der ihr die Schau stehlen wollte. Emily ging in den Hungerstreik. Sie zeigte ihren Protest damit, dass sie sich mit ihrem Hinterteil zu uns drehend hinlegte. Tamme hat immer und immer wieder versucht ihre Nähe zu finden. Er wollte einfach nur kuscheln. Doch Emily nicht.

Tamme ist ausdauernd und hat es mit viel Charm und Melone geschafft. Eines Tages konnte ich das Foto schießen. Er durfte in ihren Vorderpfoten schlummern.

 

Sie hat mich doch gerne
Sie hat mich doch gerne
Der Beginn einer ganz großen Freundschaft
Der Beginn einer ganz großen Freundschaft